Der Begriff bezeichnet eine größere Gruppe von Verwandten über zwei oder mehrere Generationen hinweg, die in der Regel in einem Haushalt zusammenleben. So können beispielsweise verwandte Paare zahlreiche Kinder (Neffen und Nichten) erziehen und damit einen großen Familienverband über lediglich zwei Generationen hinweg bilden. Liegen die Wohnungen der Paare nah beieinander, kann eine intensive gruppendynamische Familienbeziehung entstehen. Zum großen Familienverband gehören dabei die Eltern, ihre Kinder und Enkelkinder, Onkel, Tanten und andere Verwandte. Zu früheren Zeiten wurde auch das Gesinde (also Dienstboten) zur Familie gezählt. So lebten im Deutschen Reich 1882 über 1,2 Mio. Dienstboten im Haus ihrer Grund- oder Gutsherrn. In jener Zeit lebten die Familienmitglieder gemeinsam in einem Haushalt und stellten eine wirtschaftliche Einheit dar, indem sie etwa im gemeinsamen Landwirtschafts- oder Handwerksbetrieb arbeiteten.
Ob eine große Familie vorliegt, ist nicht selten eine Frage der statistischen Erfassung. So wurde der Familienbegriff im Rahmen des 1986 ins Leben gerufenen Projekts »Familiensurvey« zur umfragegestützten Familienforschung des Deutschen Jugendinstituts (DJI) erweitert. Die Anzahl der großen Familienverbände über zwei Generationen stieg danach statistisch auf 20 Prozent aller möglichen Familienkonstellationen, da zur Familie auch Verwandte mitgezählt wurden, die in der unmittelbaren Nachbarschaft (und nicht nur im Haushalt) lebten. Bereits seit den 1970er Jahren sank die Anzahl der kinderreichen Familien in den entwickelten Industriestaaten rapide aufgrund der leichteren Familienplanung durch die Anti-Baby-Pille. Statistisch kommen große Familien in den Industrieländern vor allem in der Oberschicht bzw. in den bildungsfernen Schichten vor. Aus diesem Grund scheint diese Familienform in der öffentlichen Wahrnehmung regelrecht verschwunden zu sein. In wirtschaftlich schlecht entwickelten Staaten sind große Familien unerlässlich für die Existenzsicherung. Mehr Kinder sichern dort quasi die Altersvorsorge der Eltern. Der Mikrozensus von 2005 ergab, dass in Deutschland etwa ein Prozent der Bevölkerung im Rahmen einer klassischen großen Familie aus Eltern, Kindern, Großeltern und teilweise Urgroßeltern lebt.




