Das Wort Familie wird aus der lateinischen Sprache entlehnt, dort bedeutet es “Hausgemeinschaft”. Diese Wortbedeutung stimmt nicht ganz genau mit dem heute in Deutschland allgemein üblichen Familienbegriff überein. Im westlichen Kulturkreis besteht eine Familie in der Regel aus den Eltern und ihren Kindern, mitunter kommen noch enge Verwandte vor, die im selben Haushalt leben. Dies ist aber eher selten. Die eigene Familie wird im Grundprinzip als eine Gruppe verstanden, die eng verwandt miteinander ist.
Eine ganze Reihe von verschiedenen Familienformen ist in der Geschichte Europas bezeugt. Als eigene Familie verstanden die Menschen im Laufe der Jahrhunderte durchaus eine andere Gemeinschaft als heute. Wissenschaftliche Begriffe sind hier vor allem das “ganze Haus” oder die “Haushaltsfamilie”. Im sogenannten “ganzen Haus”, welches laut Wilhelm Heinrich Riehl die Familienform von Bauern und Stadtbürgern seit dem Mittelalter war, lebten neben der Kernfamilie unverheiratete Verwandte und das Gesinde. Ganz genau kann diese Erkenntnis jedoch nicht abgesichert werden. Erst seit dem 18. Jahrhundert führten die Pfarrämter im deutschen Sprachraum Seelen- und Familienregister, in denen die Einwohner der Häuser genau aufgelistet wurden. In Steuer- und Zensuslisten erfolgte ebenfalls eine regelmäßige Zählung der Bevölkerung. Die “Haushaltsfamilie” bezeichnet dagegen eine Familienform, bei der der gemeinsame Haushalt das zentrale Element bildete. Hier konnte es vorkommen, dass mehrere Generationen und mehrere parallele Familienverbände wirtschaftlich geeint unter einem Dach lebten. Diese Form war aber in Mitteleuropa eher seltener zu finden.
Die Familienstruktur im mitteleuropäischen Raum wandelte sich dann vor allem nach 1850. Gründe lagen im Wachstum der Städte und der Zunahme der Industriearbeit. Es entstand eine Vorstellung von Familie, die sich bis in die Zeit um 1950 entwickelte und bis in die Gegenwart nachwirkt. Unter der Familie wurde in der Regel das verheiratete Ehepaar mit seinen eigenen Kindern verstanden. Das Rollenverständnis in dieser Familie war festgelegt. Der Vater war der Haupternährer und Familienvorstand. Damit stand ihm die höchste Autorität in allen wichtigen Fragen zu. Die Mutter war für den Haushalt zuständig, ging aber zusätzlich meist noch einem Nebenerwerb nach. Historiker wissen zu berichten, dass ungefähr 70 Prozent der Frauen Geld für den Familienunterhalt dazuverdienten. Damit war die Frau sehr stark beansprucht, denn die Hausarbeit allein war schon sehr schwer, da noch keine modernen Techniken und Angebote der Lebensmittelmärkte die Haushaltsführung leichter machten.
Im späten 20. Jahrhundert setzte in der westlichen Welt zunehmend eine Änderung der familiären Lebensformen ein. Bereits seit den 1960er-Jahren gab es mehrere Anzeichen dafür. Damals entstanden erste alternative Lebensformen neben der bürgerlichen Kleinfamilie. Kommunen und Wohngemeinschaften etablierten sich. Männer und Frauen begannen, auch ohne Trauschein zusammenzuleben. Der Wertewandel, der sich seit ca. 1970 immer weiter beschleunigt, wird als wesentliche Ursache für diese Entwicklungen gesehen.




